Geschichte
Wie alles begann

Das Unternehmen wurde 1919 durch Alfred Thun gegründet, zunächst unter der Firmierung „Saure, Thun & Co., Fahrradzubehör“, da es noch drei weitere Gesellschafter gab.
In dieser Zeit - unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg - herrschte ein Mangel an Fortbewegungsmitteln. Zwar konnten sich wohlhabende Leute Autos und Pferde leisten, bei der breiten Masse entstand jedoch der Bedarf nach Fahrrädern. Erste Produktionsstätte war ein stillgelegtes Hammerwerk am Brauck, in dem Alfred Thun mit der Produktion von Steuersätzen für Fahrräder begann.
Entwicklung, Rückschläge, Stillstand und Aufschwung in Ennepetal
1933 übernahm „Saure & Thun“ an der Peddenöde ein weiteres Hammerwerk und führte die damals noch kaum bekannte Kaltverformung ein, wodurch kostengünstige aber qualitativ hochwertige Produkte hergestellt und an zahlreiche Fahrradhersteller geliefert werden konnten. Alfred Thun wurde 1935 Alleininhaber. Ein Großbrand zerstörte die Fabrik 1937, welche allerdings schnell wieder vollständig aufgebaut werden konnte. Die Belegschaft wuchs bis auf 120 Mitarbeiter im Jahr 1939.
Die Entwicklung des Unternehmens kam durch den zweiten Weltkrieg zu einem Stillstand. Viele Mitarbeiter wurden zum Kriegsdienst eingezogen, oder in kriegswichtigen Betrieben zwangsbeschäftigt. Nur 30 - hauptsächlich weibliche - Mitarbeiter waren nach Ende des Krieges noch verblieben. Durch die „Permit to reopen“, erteilt durch die britische Besatzungsmacht, konnte die Fahrradteile-Produktion jedoch kurz nach Kriegsende wieder anlaufen. Gleichzeitig trat Alfred Thun II mit 21 Jahren in das Unternehmen ein. Die Währungsreform 1948 brachte der deutschen Industrie und somit auch dem Ennepetaler Unternehmen dann den ersehnten Aufschwung.
1952 war deshalb bereits eine Vergrößerung des Werks am Brauck notwendig. Zusätzlich wurde 1958 ein Verwaltungsgebäude an der Peddenöde errichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 250 Mitarbeiter beschäftigt. Kerngeschäft waren Steuersätze und Kettenradgarnituren, letztere wurden damals von sieben Produzenten allein in Deutschland hergestellt und es gab weitere Wettbewerber in z. B. Frankreich, Spanien, Italien und England.
Internationalisierung
1960 wurde die Alfred Thun S.p.A. gegründet und mit ihr der Geschäftsbetrieb der Tarditti S.r.l übernommen. 1961, vorerst in gemieteten Räumen in Borgomanero, begann die Produktion von Kettenradgarnituren. 1966 entstand dann in Briga ein eigenes Werk auf einem Grundstück von 41.000 qm mit über 200 Mitarbeitern.
Durch die Innovationen von Alfred Thun II profitierte das Unternehmen in den frühen 60ern und beeinflusste zunächst die europäische und schließlich die weltweite Produktion von Kettenradgarnituren. Geringer Materialverbrauch, hohe Energieeffizienz sowie Prozesssicherheit waren maßgebliche Vorteile der neuen Produktionstechnologie. Diese sorgte dafür, dass das Werk in Briga bis Mitte der 90er Jahre zum technologischen Weltmarktführer bei der Produktion von Kettenradgarnituren anwuchs. Allein hier stellte Thun pro Arbeitstag 35.000 Kettenradgarnituren her. In jenen Jahren wurden regelmäßig ca. 30 % vom Umsatz in neue Produktionsanlagen investiert.
Durch Joint-Venture-Vereinbarungen mit Produktionsstätten in USA, Belgien, Frankreich, Italien, Mexiko, Jugoslawien und Brasilien wurde die Technologie der Kaltformung in der gesamten westlichen Welt präsent. Im Jahr 1980 wurde hier sogar durch Gründung der Thun Inc. in Tennessee/USA die Marktführerschaft erreicht. Ab 1988, mit Gründung eines Zweigwerkes in Taiwan, wurde schließlich der fernöstliche Markt erschlossen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte die Thun-Gruppe weltweilt 2.000 Mitarbeiter.
Die Einführung des Mountain-Bikes
In 1990 war Thun mit seiner weltweit als führend anerkannten Produktionstechnologie global aufgestellt. Zu diesem Zeitpunkt machte sich ein Wandel in der Branche bemerkbar: Das Mountain-Bike (konzipiert Mitte der 70er Jahre in Kalifornien) verdrängte innerhalb von wenigen Jahren gängige Fahrradmodelle wie Sport-, Touren-, Renn- oder Klappräder. Dies bedeutete eine neue Generation von Fahrradkomponenten, wie z. B. Schaltungen, Bremsen und Kettenradgarnituren. Sog. „Komponentengruppen“ waren in der Lage, die bisherigen Komponenten zu verdrängen, was dazu führte, dass europaweit dutzende Anbieter verschwanden.
Bei Thun wurden schrittweise alle internationalen Joint-Ventures verkauft oder geschlossen. Seit Ende der 90er Jahre ist die Produktion ausschließlich am Standort Ennepetal konzentriert.
Fokus auf Ennepetal
Thun kehrte nach 40 Jahren in Norditalien (Herkunftsland der frühen Vorväter) nach Ennepetal zurück – hier konzentrierte Alfred Thun III die Produktion auf mittelpreisige Innenlager. Aktuell werden hier täglich ca. 40.000 Innenlager hergestellt und global – auch nach China – verkauft.
Heute und Morgen
Thun ist heute einziger europäischer Hersteller von Innenlagern bei global acht Herstellern. Von ehemals 100 Kettenradgarnitur-Anbietern ist keiner in Europa verblieben. Diese Situation ist auch bei vielen anderen Komponenten vergleichbar. Übriggeblieben sind in den relevanten Segmenten jeweils eine Handvoll Anbieter, die jetzt global agieren.
Seit 2005 setzt Thun auf Prozessqualität, Kostenmanagement und Fokussierung und hat erkannt, dass diese Kombination eine neue Generation Mitarbeiter bedeutet – junge Menschen mit exzellenter Ausbildung. Dabei erfolgt jeder Schritt wohlüberlegt und im Kontext der fast 100jährigen Erfahrungen und Traditionen.
Seit 2009 ist mit Alexander Thun die vierte Generation im Unternehmen vertreten. Christian Thun wird 2013 nach Abschluss seines Studiums in London eintreten.
Elektromobilität
Wie alle anderen Kollegen und Konkurrenten hat Thun das Thema Elektromobilität als Herausforderung erkannt. Die wachsende Bevölkerung in großen urbanen Zentren, das neu aufkommende Schlagwort Intermobilität und die dringende Notwendigkeit von Reduktion des CO2-Ausstoßes sind nur dabei die drei Kernthemen. Seit 2010 gehören daher auch Systemkomponenten für Pedelecs zum Produktportfolio sowie – um eine erkannte Sicherheitslücke zu schließen – Sicherheitsschränke für Lithium-Batterien.
Zeittafel
| 1882 | Geburt Alfred Thun I in Voerde Amt Milspe (heute Ennepetal) |
| 1919 | Gründung Saure, Thun & Co., Fahrradzubehör am Brauck, Amt Milspe |
| 1924 | Geburt Alfred Thun II |
| 1933 | Kauf der Fabrik in Peddenöde (Werk II) |
| 1937 | Brand und vollständige Zerstörung des Werk II |
| 1945 | Alfred Thun II tritt in das Unternehmen ein |
| 1950 | Vergrößerung des Werks Peddenöde |
| 1952 | Vergrößerung des Werks am Brauck |
| 1953 | Geburt Alfred Thun III |
| 1958 | Errichtung des neuen Verwaltungsgebäudes |
| 1961 | Gründung Alfred Thun S.p.A. Borgomanero/Italien |
| 1964 | Tod Alfred Thun I |
| 1965 | Bezug der neuen Produktionsstätte in Briga/Italien, Produktionsstart Kaltform-Kurbeln |
| 1966 | Umzug Werk Brauck in das Werk Peddenoede |
| 1970 - 1980 | Joint-Ventures mit Partnern in Belgien, Mexiko, Brasilien, Frankreich, Jugoslawien |
| 1980 | Gründung Thun Inc., Tennessee/USA |
| 1983 | Alfred Thun III Geschäftsführer |
| 1984 | Um- und Anbau Werk Peddenoede |
| 1985 | Geburt Alexander Thun |
| 1988 | Gründung Thun Taiwan Co. Ltd. in Taiwan |
| 1990 | Joint-Venture mit Shimano im Werk Alfred Thun SpA |
| 1992 | Geburt Christian Alfred Thun |
| 1993 | Alfred Thun II zieht sich aus dem aktiven Geschäft zurück |
| 1998 | Tod Alfred Thun II |
| 1998 | Vollständige Übernahme der Alfred Thun SpA durch Shimano |
| ab 2000 | Konzentration auf Standort Ennepetal-Peddenöde |




